Unser Projekt

Dienstag, 27. August 2013

Unser Projekt

Ausgehend von dem Projekt „Wasteland“ der spanischen Künstlerin Lara Almarcegui haben wir uns schließlich auf die Suche nach Räumen begeben, an denen es keine Grenzen gibt, an denen alles möglich ist.
Lara Almarcegui erstellt Stadtführer, wie den 2008 erschienenen „Guide to the Ruins of the Netherlands“, und beschäftigt sich mit brachliegenden Flächen im Stadtraum, die ohne den Einfluss von menschlichen Handeln, ohne den Einfluss von Planungen, existieren. Ihr Zustand wird einzig und allein durch natürliche Einflüsse und spontane Ereignisse wie Wind, Regen und Vegetation bestimmt. Diese Veränderungen, die durch die natürlichen und spontanen Einflüsse zu sehen sind, machen den Ort zu einem Gebiet unbegrenzter Möglichkeiten.
Wir betrachten diese Auffassung als kritisch, wenn man sie wörtlich nimmt. Ist auf diesen brachliegenden Flächen tatsächlich alles erlaubt? Gibt es im realen Leben wirklich Orte, an denen es keine Grenzen gibt, an denen alles möglich ist? Jedenfalls nicht im Stadtraum. Alles ist durch Schilder und Schranken, durch Türen und Tore begrenzt und schränkt uns in gewisser Weise ein. So etwas kann nur im Traum existieren.

Kann man also eine Verbindung zwischen dem Traum und der durch Regeln bestimmten Wirklichkeit schaffen?
Um Traum und Regeln miteinander zu verknüpfen, setzten wir uns als Ziel, zunächst Träume zu sammeln. Als Hilfsmittel für unsere Traumsammlung diente uns ein Briefkasten, den wir im Kunstsilo ausstellten. Es ist schwierig Träume zu sammeln und aufzuschreiben, da unmittelbar nach dem Aufwachen die Erinnerung an einen Traum verschwimmen. Dennoch gibt es Träume, die vielleicht immer wiederkehren. Ein Traum ist eine psychische Aktivität während des Schlafs, welche mit Sinneseindrücken, Gefühlen und Gedanken verbunden ist. Wir erleben diese genau so wie im Wachzustand. Ein Beispiel unserer Traumspender zeigt dies.

Ungezwungen bewege ich mich durch die Felder. Es ist Spätsommer und obwohl das Weizen an meiner Hüfte streift, hindert es mich nicht. Ich gehe allein und doch treffe ich meine Freunde, Familie und andere Menschen, die ich kenne. Der Wind umspielt mein langes Haar und bläst Muster auf die Ähren. Ich höre das Rascheln und Rauschen, sonst nichts. Und ich kellnere ich in einer grünen Parkanlage zwischen glücklichen Menschen an kleinen runden Tischen. Sie sitzen im warmen Schatten großer Sonnenschirme. Ich trage mein Tablett wie selbstverständlich, als gehöre es zu mir, weiter durch das Feld.

Anonym, 07.03.2013

Zunächst kamen wir zu der Überlegung einen geschlossenen Raum in der Form eines Quaders im Stadtraum auszustellen, in dem immer eine Person Platz finden würde. Dieser Raum, ausgestattet mit einem Sitzkissen und einem Soundsystem, soll der einzelnen Person einen auditiven Zugang zu den Träumen verschaffen. Es bestände die Möglichkeit sich zurück zu lehnen und die Augen zu schließen. Dieses Erlebnis, die Träume in einem Raum innerhalb des Stadtraumes zu hören, soll den Zuhörer in einen Zustand bringen, der ihn alles um sich herum vergessen lässt. In der Zeitspanne, in der die Träume abgespielt werden und der Zuhörer sich fallen lässt, wird der Raum zu einem Ort unbegrenzter Möglichkeiten.

Dieser Gegensatz zwischen einem kleinen vielleicht beengendem Raum im Stadtraum und dem Ort ohne Grenzen erscheint uns jedoch als ein großer Widerspruch.
Wir beschlossen die Wände weg zu lassen und dem Zuhörer die Möglichkeit zu geben, sich im Stadtraum zu bewegen, während er sich die Audiodatei selbstständig über sein eigenes Smartphone anhören kann. Die Audiodatei, die wir zum Download auf unserer Homepage www.stadttraeume.twoday.net bereitstellen, führt den Hörer
durch das ausgewählte Stadtgebiet. Als Ort unseres Projekts haben wir das Paderquellgebiet im Herzen Paderborns gewählt. Die Karte mit dem entsprechendem Weg steht online zum download bereit. Bei der Audiodatei handelt es sich um eine Verknüpfung von Träumen unserer anonymen Traumspender und einer simplen Anleitung durch den Stadtraum, die einer Art Navigationssystem gleich kommt. Diese Synthese von Träumen, die das Unmögliche in der realen Welt nicht existierende beschreiben, der Stadtführung durch die reale Welt und der musikalischen Untermalung macht aus dem Stadtraum einen Ort unbegrenzter Möglichkeiten - einen Stadt[t]raum.


„I like the freedom the publication gives you, the guided tours are nice…but there’s always something imperative, like now we come here and then now we do this. I like the freedom of going to the places whenever I want and just know that they exist and go if I feel like and if I don’t go at least I know they are there.  And that’s how I like things to work……That’s why I like guides so much and that’s why I publish them. They are a tool for knowing places that can be used as you want. In a guided tour you have to follow a certain performance.“

Lara Almarcegui, die auch Guides zu den „Wastelands“ erstellt hat, sagt, dass Stadtführungen schön sind, sie aber auch etwas imperatives haben. Sie sagen uns, was wir zutun haben.
Abgesehen davon, dass ein Zugriff auf das Internet und ein Smartphone vorausgesetzt werden, ist unsere Zielgruppe, die wir mit diesem Projekt ansprechen möchten, unbegrenzt. Die Route kann zu jeder Tages- und Nachtzeit gegangen werden. Die meditative und beruhigende Wirkung, welche die zwölfminütige Audiodatei auf den Hörer hat, macht eine solche Stadtführung auch zu einer Möglichkeit zwischen den Arbeitszeiten oder in den Mittagspausen zur Ruhe zu kommen. Berufstätige, die ihre Tage damit verbringen Anweisungen zu geben, haben die Möglichkeit sich führen lassen.

Mit unserem abgeschlossenen Projekt haben wir jedoch gleichzeitig einen Anfang geschaffen, da die Homepage auch in Zukunft frei zugänglich ist. Wir erhoffen uns Anregungen und Beiträge weiterer Träumer, die uns von ihren Erfahrungen im Stadtraum berichten, sodass wir in ferner Zukunft einen Stadtführer mit wahren Geschichten zusammenstellen können. Eben einen traumhaften Stadtführer.

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